Liebe Gemeinde,
man sollte meinen, das selbst Menschen ohne Kalender und mit nur ein wenig Sinn für Zeit wissen, das es Ereignisse gibt die immer und immer wieder, jedes Jahr um die gleiche Zeit, wiederkehren.
Da wäre zum ersten der eigene Geburtstag. Auch wenn man es nicht für möglich hält, der ist jedes Jahr am gleichen Tag! Bitte, nicht so erstaunt schauen, das ist wirklich so. Schaut in eurem Perso nach, da steht es schwarz auf weiß (oder grün, je nachdem, was für einen Ausweiß man noch besitzt!).
Ostern! Auch so ne Sache. Jedes Jahr im Frühjahr haben wir das Fest des großen Jupp van de Balken und seiner Revival-Vorstellung. Ja er hats geschafft, gaaaanz große Nummer, die hat auch keiner mehr wiederholt und wird wohl auch keiner mehr schaffen. Das wir ihm dafür huldigen und ihm den Kredit einräumen, nicht nur ein Mann gewesen zu sein, der gut mit Worten umgehen konnte und die Massen bewegte, sondern auch der Junior-Chef im Betrieb des GROßEN BOSSES, ist nur allzu verständlich! Vom Eiersuchen fange ich jetzt gar nicht erst an zu reden, das wird eh wieder zweideutig.
AAAAABBBBBER: die zwei Themen, auf die ich nun zu sprechen komme, sprengen manchmal echt alle Rekorde; und sind dabei, auch wenn jahreszeitlich doch fast fünf Monate auseinander, auf wirtschaftlicher Basis mittlerweile direkt nebeneinander existent!
Numero Uno: Schulanfang!
Zur Verteidigung muss man sagen: die Zeit der Ferien ist variabel. Aber sobald man mehr als zwei Tage hintereinander die kotzenden Teppichratten in der Stadt sieht, sollte auch dem Dümmsten klar sein, was die Stunde geschlagen hat. Da ist morgens um neun der Geräuschpegel schon so hoch, das der anständige deutsche Nachtschichtarbeiter nicht mehr schlafen kann. Warum pennen die nicht aus, wenn sie die Zeit dazu haben? Was machen die um die Uhrzeit draußen? Ich versteh es nicht! Wir haben früher erst mal bis in die Puppen geratzt und ABENDS die Party vom Zaun gebrochen.
Das Phänomen, das mich aber mehr als alles andere fasziniert: die brauchen doch Unterrichtsmaterial! Also Bücher! Und Stifte! Und den anderen Kram! Warum kommen die dann zwei Tage NACH Unterrichtsbeginn in den Laden und brechen einen vom Zaun als ob die Welt gleich untergeht? Ich meine, hey, SECHS VERDAMMTE WOCHEN ZEIT, um mit diesem kleinen Wisch in den Laden zu kommen und die Dinger zu ordern und dann auch abzuholen! Und keiner kann mir erzählen, das die sechs Wochen in Urlaub sind und dafür keine Zeit haben. Bei dem Krach der draußen herrscht, ist nicht EINER von denen unterwegs.
Der Zustand, der dann VOR der Theke ausbricht erinnert ein wenig an Einkaufen 1949. Lange Schlangen, drängelnde Menschen und wenn das geforderte Produkt dann nicht da ist, wird das Geschrei groß. Ja ist ja auch verständlich, das alles sofort da ist oder spätestens am nächsten Tag, es gibt ja auch nicht wirklich hunderttausende andere Schüler die ihre Bücher VORHER schon bestellt haben. Da kann das ein oder andere schon mal Out-of-Print sein. Aber nein, dafür hat man kein Verständnis, das muss dann sofort klappen. Sechs Wochen sind ja auch eine viel zu kurze Zeit, um sich mal Gedanken darüber zu machen, wann es wieder losgeht! Wenn das bei Schulanfängern so wäre, würde ich ja noch Verständnis haben; aber die sind am gewissenhaftesten, die ordern früh und holen auch direkt alles zusammen ab. Nein es sind die, die schon mindestens sechs oder sieben Jahre im Betrieb sind. Und in drei Wochen schicken wir dann wieder hundert Bücher zurück, die nicht abgeholt wurden. Wie die armen Kleinen dann lernen, möchte ich wissen. Noch jemand, der sich nicht mehr über PISA wundert???
Numero Due: Weihnachten!
Das Fest der Liebe, die besinnliche Jahreszeit. Klein Jay-Jay erblickt das Licht der Welt und wird danach zu Selbigem, nachdem er zehn Monate vorher seiner Mutter vom heiligen Geist eingefutzt wurde (ja ne, wer DAS noch glaubt, ich hab da ne Nummer, die helfen einem bestimmt!). Alle werden ganz kuschelig und wutzi-wutzi-mummelig miteinander und liegen sich wieder weinend in den Armen, nachdem man sich das ganze Jahr mit dem Arsch nicht angeguckt hat! Oh du Heuchlerische....und Mammon freut sich nen Ast, weil wir mal wieder Millionen von Euro in seinen immer dicker werdenden Hintern pumpen. Kitsch und Kommerz bestimmen mittlerweile die schönste Zeit des Jahres. Der Kitsch ist, für mich, total ansprechend; ich liebe das bunte, Augen zerfetzende und schreiende Konglomerat von Santas, Rentieren, Schneemännern und Rauscheengeln, den Geruch von Mandeln, Zimt und heißen Äpfeln.
Aber: ALLES ZU SEINER ZEIT!
Der Sommer (!?) hat seinen Abschied gerade erst mal angekündigt, da stopft man uns die Regale schon mit Spekulatius, Lebkuchen und Glühwein voll! Christstollen, vergesst den verdammten Christstollen nicht! Ich liebe diese Sachen. Aber wenn der Sommer, oder der goldene Herbst, sich denken, doch noch mal ein kleines Comeback zu feiern, kommt man sich doch schon ziemlich doof vor, wenn man Sonntags mit kurzer Hose und T-Shirt auf der Veranda sitzt, ein gemütlich-warmes Glas Glühwein trinkt und dabei Stollen mümmelt. Und wenn einem dabei der Nikolaus in Form eines in Staniol eingewickelten Schoko-Monuments über die Schulter schaut, dann wird einem mulmig. Wenn er dann in der untergehenden Sonne langsam vor sich hin schmilzt und sein Gesicht zu einem traurigen und griesgrämigen Antlitz zerläuft, ist man sich nicht sicher ob es die Hitze ist oder doch die Scham, das der Kommerz DAS aus diesem heiligen Fest gemacht hat!!!
Bis zum nächsten mal, wenn es heißt: "Der Papst in Deutschland, oder: Halleluja, der Ratzemann ist da!"
TheRaven
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